Der Ruhm von Portrait-Fotografen wächst mit der Bekanntheit ihrer Modelle. Das gilt auch für Oliver Mark (BFF), der seit Ende der 80er Jahre vor allem für Print-Magazine Prominente aller Art vor die Linse bekam.
Mit dieser Lizenz zur Imagebildung geht Mark auf souveräne Weise um - nicht alle seiner Gegenüber bekommen die Chance, so cool zu erscheinen wie diverse Anzugträger vor ihren Lamborghinis oder Harleys, oder so klischeekompatibel wie eine Top-Managerin, die er im Privatjet zeigt.
Mark kann auch anders. Udo Jürgens, hohlwangig und unfrisiert, löffelt in kahlem Ambiente eine Suppe; der alternde Regisseur Thomas Harlan stützt sich auf Stöcke, Beatmungsschläuche im Gesicht; und das verwitterte Gesicht der Filmdiva Marianne Hoppe ist so geschminkt wie echt. Aber man mache sich nichts vor: Promi-Fotografen sind Hofmaler des Medienzeitalters, und auch ein bißchen Hofnarren. Denn ihre Nähe zu den Berühmten beruht auf einem Deal: Ich will Bekanntheit, Du stellst sie her - interessant dank aufgerauhter Oberfläche; ein wenig zerzaust, aber nicht elend; ein bißchen grell, aber nicht geschmacklos; ein Hauch privat, aber nicht intim. Kontrollierte Hemmungslosigkeit ist Teil des Spiels, und Oliver Mark beherrscht es perfekt. Einfühlsam, technisch brillant und stilsicher platziert er seine Modelle in Kompositionen von großer visueller Kraft. Damit zeigt er auch, wie sehr sich sein Stylist Yilmaz Aktepe irrt, der in seinem Geleitwort schriebt: "Wenn ein Bild nett ist, hat man versagt." Ausgerechnet Diane Arbus, die womöglich gnadenloseste Portraitfotografin aller Zeiten, benutzt öfters das Wort "nett" beim Nachdenken über ihre Arbeit (für Neugierige: Nachzulesen in der Monographie von Zweitausendeins, erschienen 1984). Wenn man diese Position vergleicht mit der Arbeit von Oliver Mark, wird deutlich: Marks Portraits können gar nicht das Gegenteil von nett sein - sonst hätten ihn die Promis längst achtkantig hinausgeworfen aus ihrer Selbstdarstellungswelt, deren begnadeter Chronist er ist.
Andreas Langen