Das Gespräch mit Rainer Tewes vom Fotolabor >M< führte Ute Noll / On-photography.com
Ute Noll: Sie bevorzugen das Fotopapier. Warum?
Rainer Tewes: Fotografische Abzüge im Silberhalogenidverfahren haben viele Vorzüge: Zarte, homogene Farbverläufe und Flächen, kombiniert mit größter Dynamik, bestechender Brillanz und maximaler Schärfe. Durch diese Qualitäten, gepaart mit der unübertroffenen Haltbarkeit und Archivfestigkeit, behaupten Silberhalogenid-Fotografien einen festen Platz in Museen und auf dem Kunstmarkt. Bei Tintendruckverfahren ist diese Vertrauensbasis noch nicht gegeben.
Ute Noll: Warum empfehlen Sie für Fotokunst und Ausstellungen den traditionellen Fotoabzug? Rainer Tewes: Das Drucken mit Tinten ist ein relativ neues Verfahren. Dabei kommt es auf die Qualität der Druckertinte und der Papiere und ihre Haltbarkeit an. Langzeiterfahrungen liegen nicht vor und wir wissen nicht, wie diese Drucke in den Ausstellungen unter Licht- und Umwelteinflüssen nach Jahrzehnten aussehen werden, auch wenn man ihnen unter archivarischen Bedingungen eine Haltbarkeit von etwa 100 Jahren voraussagt. Außerdem ist die Silberhalogenid-Fotografie ein Teil unserer Kultur, den man meiner Meinung nach pflegen und erhalten muss.
Fotografie, der „Lichtbildnerei“, passt ein mit „Licht“ erstellter Abzug viel besser als ein digitaler Druck, der aus künstlerischer Sicht auf jeden Fall einen Medienbruch darstellt. Durch unsere Echtfotobelichtungen oder C-Prints bzw. AgX-Prints wie sie international auch genannt werden, werden aus Bildern wirkliche „Fotografien“.
Ute Noll: Herr Tewes, wie unterscheidet sich das heutige digitale fotografische von den bisherigen analogen Verfahren? Rainer Tewes: Das Verfahren unterscheidet sich lediglich in der Belichtungsweise. Der Unterschied ist, dass das Fotopapier nicht mehr mit einem Vergrößerer belichtet wird wie früher, sondern mit einem digitalen Belichtungsgerät. Die Bildinformationen aus einer digitalen Bilddatei werden in Signale umgewandelt. Diese Signale wiederum steuern das rote, grüne und blaue Licht der Belichtungseinheit, das auf dem Fotopapier Punkt für Punkt, Zeile für Zeile ein latentes Bild erzeugt. In der anschließenden Farbentwicklung wird dieses Bild nur noch verstärkt und die Farbe erscheint auf der Oberfläche des Abzugs.
Ute Noll: Sie sagen, ihr neuer Ausbelichter, der Theta 66 von Durst, ist auf dem neuesten Stand der Technik. Was bedeutet das für den Abzug? Rainer Tewes: In dieser vollautomatischen Maschine bilden Belichtung und Entwicklung eine Einheit. Was belichtet wird, wird ohne Zeitverzögerung entwickelt und führt deswegen zu konstanteren Bildergebnissen. Bei den bisherigen Belichtern wird das Bild zunächst in einer Einheit belichtet und dann zeitversetzt in einer separaten Entwicklungsmaschine entwickelt.
Ute Noll: Warum ist es denn so entscheidend, dass es eine Kopplung zwischen der Belichtungs- und der Entwicklungseinheit gibt? Rainer Tewes: Das latente Bild, das bei der Belichtung entsteht, verändert sich noch bis zur Entwicklung. Wenn diese Zwischenzeit nicht konstant ist oder gar variiert, führt es schnell zu Farbabweichungen bei den Bildern. Dieses Problem tritt besonders bei Belichtungsserien auf. Bei der gekoppelten Produktionsweise werden wesentlich engere Toleranzen eingehalten. Das bedeutet: Man kommt mit weniger Proben schneller zum optimalen Bild, die Ergebnisse bei Serienbelichtung sind wesentlich konstanter und das eingesetzte Farbmanagement arbeitet deutlich präziser. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die deutlich rationellere Arbeitsweise.
Ute Noll: Sie garantieren sogar konstante Ergebnisse für Abzüge, die nach Monaten oder Jahren hergestellt werden. Wie geht das? Rainer Tewes: Das können wir garantieren, weil wir täglich eine Farbbalance durchführen und so unser System sehr konstant halten. Schwankungen über die Zeit und auch veränderte Fotopapierchargen können wir so ausgleichen. Unser aufwendiges Farbmanagement kann auf dieser Basis sehr präzise dafür sorgen, dass ein konkreter digitaler Farbwert, der im Computer angelegt ist, auch auf dem Fotopapier einen entsprechenden digitalen Farbwert ergibt.
Ute Noll: Und was ist, wenn ihr Kunde eine andere Ästhetik wünscht als die, die automatisch vom Belichter hergestellt wird? Rainer Tewes: Statt der automatisch erstellten Belichtungsdaten können natürlich auch individuelle Wünsche oder Korrekturen bei der Belichtung vorgenommen werden. Wir können die Farben angleichen oder Filter ausprobieren, sodass das Motiv beispielsweise grüner, gelber, härter oder weicher abgezogen werden kann. Damit auch diese Einstellungen reproduzierbar sind, können sie für den Kunden auf der Rückseite des Fotopapiers vermerkt oder für wiederkehrende Aufträge bei uns im Hause gespeichert werden.
Die Abzüge können bei uns im Entstehungsprozess mitgestaltet werden. Das ist auch für die Konzeption von Ausstellungen interessant. Einige Kunden möchten die Ästhetik des gesamten Bildes sehen, andere wiederum möchten einen 1:1 Ausschnitt sehen, um zu prüfen, ob die Datenmenge ausreicht. Bezahlt wird aber nur der optimale Abzug.
Unsere ausgebildeten Fotofachlaborantinnen arbeiten seit Jahren für Fotografen und Künstler, sie verstehen Anliegen und Wünsche und können so Visionen gezielt umsetzen.
Ute Noll: Wie kommt es dazu, dass Sie diesen Service ohne Aufschlag anbieten können? Rainer Tewes: Mein Theta 66 war zwar eine riesige Investition, aber das Gerät hat eine sehr hohe Produktivität und die Materialkosten für Abzüge auf Fotopapier sind im Vergleich zu hochwertigen Inkjetdruckverfahren geringer. Deswegen kann ich beim Fotoabzug anders kalkulieren und mehr Service zu günstigeren Preisen anbieten. Um die Silberhalogenid-Fotografie zu fördern, unterstützen wir auch Ausstellungsprojekte; dabei liegt mir besonders der Nachwuchs am Herzen. BFF- Mitgliedern gewähren wir nach Absprache Sonderkonditionen. Auf Wunsch bekommen unsere Kunden bei uns nicht nur den Fotoabzug, sondern auch noch die dazu passende hochwertige Kaschierung z.B. auf Dibond oder auch mit Silikon hinter Acrylglas.
Die Labor >M< GmbH von Rainer Tewes ist in Stuttgart. Für den BFF hat Rainer Tewes z.B. die BFF-Junioren-Ausstellung „Luxus“ und zuletzt die Ausstellung: "[ha 'noi] - von Affental bis Zuflucht" produziert.
Infos:
www.fotolabor-m.deFoto: Jörg Hempel / BFF