36. BFF-Kongress 2005
„China – Fotografie, Kunst & Werbung heute"
Prof. Heiner Schmitz / BFF-Vorstandssprecher / Pressemitteilung | Juni 2005
Es ist erst das dritte Mal, dass sich ein Kongress des BFF mit der Bild- und Designproduktion eines Landes befasst. 1982 war dies für Japan und 1985 für Italien der Fall, 2005 ist unser Thema „China – Fotografie, Kunst & Werbung heute". Es zeigt ein Land im Aufbruch, und das nicht nur wirtschaftlich. Zwar prangt am Eingang der Verbotenen Stadt, dem historischen Mach tzentrum des Reiches, ein monumentales Mao-Porträt, vor dem sich täglich tausende Chinesen fotografieren lassen – doch diese Art kommunistischer Folklore hält den raschen Wandel des Landes nicht auf. Ein Wandel, der sich natürlich auch in den Bereichen Fotografie, Kunst und Werbung niederschlägt.
Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch in China vor genau zehn Jahren. Damals war ich sehr überrascht, dass mir von allen Postern, Großflächenplakaten und in allen Anzeigen westliche Gesichter entgegenstrahlten. Die Orientierung nachWesten, vor allem Richtung USA, war allerorten unübersehbar. Das ist heute anders. Westliche Fotomodelle sind fast gänzlich verschwunden, und die Ergebenheit gegenüber dem Westen äußert sich nur noch in oberflächlichen Trends. Tiefer gehende Auseinandersetzungen, wie in den Arbeiten chinesischer Künstler, wenden sich verstärkt der eigenen Identität zu.
Die Autoren befassen sich kritisch mit westlichen Einflüssen und bearbeiten auch Themen, die bis vor kurzem noch tabu waren. Der lange erzwungene Stillstand in der Entwicklung der Kunst wird jetzt schlagartig durchbrochen, und so mancher Künstler bezieht dabei extreme Positionen, die uns entfernten Betrachtern kaum noch erträglich erscheinen. Währenddessen schießen in den großen Städten Werbeagenturen aus dem Boden. Oft fehlt es noch an gut ausgebildeten Mitarbeitern, die häufig aus Taipeh oder Hongkong kommen. Vielleicht sieht sogar mancher von uns hier einePerspektive für seine Zukunft.
Für unseren Kongress haben wir verschiedene Strömungen der chinesischen Entwicklung ausgelotet und zu einem Programm mit vielfältigen künstlerischen und werblichen Ausdrucksformen zusammengestellt. Dass wir uns in Hamburg treffen, ist dabei kein Zufall: die Hafen-Metropole mit ihren traditionell weltumspannenden Handelsbeziehungen unterhält besonders intensive Kontakte nach China - Hamburgs Partnerstadt ist Shanghai.