|
|
BFF-Trend-Award 2007
Neue und gute Gründe, das BFF-Jahrbuch anzuschauen, bietet der 2007 erstmals vergebene „Trend Award“: nicht-kommerzielle Bilder, frischer Wind, freie Sicht, ungefilterte Kreativität. Das Beste also, was einige Hundert professionelle Fotografen zu bieten haben, ausgesiebt von einer hochkarätigen Jury. Deren Blickweisen und Qualitätskriterien sind ebenso vielfältig wie anregend (s. Kurzinterviews), so dass eine inspirierende Augenweide das Ergebnis ist. Eine Jury aus Kuratoren, Galeristinnen, Designern, Bildredakteuren und Professorinnen für Fotografie - da prallen natürlich nicht nur unterschiedlichste Meinungen, sondern auch Sichtweisen und Werteschemata aufeinander. Das ist bereichernd und erfrischend, zwingt aber auch immer wieder zur Auseinandersetzung mit völlig anderen Kriterien und Überzeugungen – von unterschiedlichen Vorlieben und Geschmäckern, die jeder Mensch einbringt, ganz zu schweigen. Um die Jury besser kennen zu lernen und, nicht zuletzt, um den teilnehmenden Fotografen einen besseren Einblick in Denkweisen und Kriterien zu bieten, baten wir die Jury-Mitglieder einige Fragen zu beantworten. Diese geben nicht nur Informationen über die jeweilige professionelle "Brille" der einzelnen Jurymitglieder, sondern verdeutlichen auch ganz konkret die unterschiedlichen Herangehensweisen bei der schwierigen und spannenden Aufgabe, fotografische – und künstlerische – Arbeit zu bewerten. Franz Epping Ressortleiter ‚stern‘ Titelredaktion / Verlag Gruner + Jahr Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? In der angewandten Fotografie sehe ich einen deutlichen Trend zur Natürlichkeit. Die Bildsujets sind überwiegend real und lifig fotografiert. Die Schönheitsideale der Supermodels werden immer häufiger von individuellen Gesichtern abgelöst. In der freien Fotografie hat sich eine individuelle und subjektive Sichtweise entwickelt. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Die eingereichten Arbeiten waren extrem unterschiedlich in der Themenwahl, Bildauffassung und Gestaltung. Den Willen zur Entwicklung des eigenen Stils sehe ich bei bei vielen Teilnehmern. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Dass der Fotograf mit Kreativität eine eigene Vorstellung seines Bildes entwickelt hat. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Die erkennbare, unverwechselbare Handschrift des Fotografen. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Ein Foto soll den Betrachter ansprechen. Das kann durch die verschiedensten Faktoren ausgelöst werden. Farbe, Komposition, Thema, Sichtweise, Technik. Erst wenn eine sinnvolle Kombination dieser Faktoren zusammen wirken, hat es für mich Qualität. Welches, der in der Jury diskutierten Themen, war für Sie besonders relevant? Die Eigenständigkeit des eingereichten Bildes im Vergleich zu den anderen vorliegenden Arbeiten. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Insgesamt fand ich die Einsendungen sehr professionell und phantasiereich. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass noch viel mehr spielerische und experimentelle Arbeiten dabei gewesen wären. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? Meine alltägliche Arbeit mit Fotos findet fast ausschließlich am Bildschirm statt. Die Recherche nach Bildern und Fotografen erfolgt online bei Bildagenturen, Repräsentanten oder auf Web-Sites. Fotografieren Sie selbst? Ja, am liebsten schwarz-weiss mit großem Filmformat. Ich mag gute Prints auf Papier, die ja leider immer seltener werden. Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? „Mahjong“ Chinesische Gegenwartskunst in der Hamburger Kunsthalle Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Ich entwerfe Stern-Titelbilder. Die Aufgabe besteht darin, für ein Thema Bildideen zu entwickeln oder Bilder zu suchen, die plakativ und unmissverständlich bei unseren Lesern Interesse wecken sollen. Dabei versuchen wir möglichst viele Variationen an Entwürfen zu entwickeln. Im zweiten Schritt realisiert man den Entwurf mit Fotografen oder Illustratoren. Ein Layout mit Typografie ist das Endergebnis. Welches Buch lesen Sie gerade? Bruce Chatwin. Der Traum des Ruhelosen Welches ist Ihr Lieblingsfilm? Frederico Fellini 8 1/2 Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? Es fällt mir schwer da nur einen zu nennen. Deshalb aus verschiedenen Sachgebieten jeweils einen: Reportage: Sebastião Salgado, Kunst: Lee Friedländer, Mode: Tim Walker, People-Portrait: Walter Schels, Stillife: Hans Hansen. Silke Löhmann Geschäftsführerin, Grafikdesignerin / Oktober Kommunikationsdesign Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Es gibt viele Trends. Wie in allen kreativen Bereichen herrscht Pluralismus. Allerdings scheint der krude "Knips-Stil" der 90er Jahre endlich überwunden. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Der Wettbewerb hat genau den Pluralismus und die Vielfalt des aktuellen Foto-Schaffens wider gespiegelt. Von perfekten, hochartifiziellen Studioaufnahmen bis zu Retro-Romantik mit Lochkamera. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Ein spielerisch-expermientelles Moment. Ein kreatives Ausloten von formalen Möglichkeiten. Der Betrachter muss ein wirkliches Interesse des Fotografen am Thema/an der Form spüren. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Dass sie formal-handwerklich überzeugt - und dass "der Funke überspringt". Alle Bilder müssen eine eigene "Kraft" entwickeln, die sich schwer beschreiben lässt. Wenn die Arbeit den Betrachter völlig kalt lässt und das Bild nicht "hängen bleibt", dann ist es nicht gut genug. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Zu erst einmal muss das Interesse, die Aufmerksamkeit geweckt werden. Dann muss die Arbeit einem zweiten und dritten Blick Stand halten, muss "Geheimnisse" preis geben, Geschichten erzählen, Stimmung wecken. Wenn Bilder auf diese Weise emotional wirken, sind es der Regel auch handwerklich gute Arbeiten. Welche der in der Jury diskutierten Themen war für Sie besonders relevant? Die Frage nach der Originalität. In der medialen Bilderflut, in der wir heute leben, ist es unendlich schwer, kein "dejá-vù" zu empfinden. Trotzdem muss man sich auf die einzelne Arbeit einlassen und versuchen sie in gewisser Weise losgelöst zu beurteilen. Eine fast unmögliche Herausforderung. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Ein sehr unterschiedliches Niveau - und daher im Durchschnitt natürlich eher durchschnittlich. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? In der Agentur arbeiten wir fast täglich mit Fotografie und Bildern. Dabei müssen die Bilder immer eine bestimmte Kommunikationsaufgabe übernehmen. Als Designer entwickelt man ja Kommunikationsmedien – und die Bilder sind gemeinsam mit den Texten Träger der jeweiligen Kommunikationsaufgabe. Fotografieren Sie selbst? Wenig. Ich hätte gern mehr Zeit dafür. In der Regel bleibt es aber bei setenen, schnellen und eher funktionalen Fotos. Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? Die Ausstellung (Tat)Orte im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf hat mich allerdings sehr beeindruckt. Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Die meiste Zeit sitzt man heute am Rechner – und die meiste Zeit kommuniziert man: per Mail, Telefon oder direkt mit Kollegen oder Kunden. Dazwischen versucht man so konzentriert wie möglich Konzepte und Entwürfe zu entwickeln. Welches Buch lesen Sie gerade? Zur Zeit höre ich überwiegend Bücher, statt sie zu lesen. Aktuell: Im Rausch der Stille von Albert Sanchez Welches ist Ihr Lieblingsfilm? Da man mich wohl als "Film-Buff" bezeichnen kann, ist es unmöglich EINEN Film zu nennen. Die Filme Wong Kar-Wai zählen aber sicherlich zu meinen Lieblingsfilmen. Ebenso würde ich Werke von Antonioni nennen – aber auch die Spaghetti-Western Sergio Leones. Unmöglich mich fest zu legen … Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? Sehr schwierig. Ohne Vollständigkeit würde ich sagen, Cindy Sherman, Larry Burrows, die ganze Magnum-Schule. Mario Lombardo Art Director / Bureau Mario Lombardo Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Es gibt gerade viele Trends in der Fotografie, sehr auffällig ist Beispielsweise erneut der Hang zur Malerei, besonders im Bezug auf die flämische Malerei. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Teilweise, natürlich. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Ich mache da eigentlich keine Unterschiede. Denn wenn man sich eine gute »Auftragsarbeit« anschaut ist die Schnittmenge zu einer so genannten »freien Arbeit« doch enorm. Das Wort »Auftragsarbeit« wird mir zu oft als Ausrede benutzt. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Eigenständige Arbeiten sollten eigentlich nicht einem Vorbild nachempfunden sein. Aus der Geschichte lernen, bedeutet nicht nachahmen. Im kulturevolutionären Sinn hat so eine Arbeit auch überhaupt keine Bedeutung. Wer einen Trend oder ein Zeichen setzten will, sollte immer auf der Suche nach dem Neuen sein. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Das variiert von Fall zu Fall. Worum geht es bei der Arbeit? Menschen, Architektur, Landschaft oder Stilleben etc. jedes Thema stellt natürlich immer andere Bewertungskriterien. Oft suche ich nach einer Beziehung zwischen Sinnlichkeit und Technik. Welches, der in der Jury diskutierten Themen, war für Sie besonders relevant? Nur die Inhaltlichen. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Es war sehr hoch, mir fehlte vielleicht etwas die Auseinandersetzung mit Personen. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? Als Art Director für verschiedene Magazine habe ich täglich weltweit mit diversen Fotografen zu tun, da gilt es diverse Shootings zu konzipieren und vorzubereiten. Ich bin weiterhin Mitglied verschiedener Fotografie-Jurys wie LeadAwards, Gute Aussichten, 24 Hours at home in Europe und weitere, habe ebenfalls in den letzten Jahren diverse Lehraufträge für Fotografie und Design an verschieden Unis wie der HFG Offenbach oder der UDK in Berlin gehabt Fotografieren Sie selbst? Sicher. Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? Die Fußball-WM, Banksys’ Paris Hilton-Aktion. Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Kaffee, Telefon, Mail, Design, Telefon, Telefon, Telefon, Mail, Design, Mail, Design, Design, Design Welches Buch lesen Sie gerade? Musikzimmer von Diedrich Diederichsen. Welches ist Ihr Lieblingsfilm? »Attentate« eine nonlineare Dokumentation von Tania Parovic Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? Ohhhh da gibt es eine Menge. Eine Nummer 1 gibt es nicht. Gerald von Foris, Gianni Occhipinti, Özgür Albayrak, Juergen Teller, Frank Schumacher, Ashkan Sahihi, Alfred Jansen, Daniel Josefsohn, Michael Maier, Kira Bunse, Michael Mann um nur einige zu nennen mit denen ich in letzter Zeit gearbeitet habe. Dr. Christoph Schaden Arbeiten zu Fotografie und Kunst Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Der kühl sachliche Obduktionsblick der Endneunziger scheint allmählich überreizt zu sein. Über allem schwebt immer noch Retro, überall wird kräftig geplündert. Konstruktionen der Staged Photography feiern mit den digitalen Werkzeugen gerade eine Renaissance. Ein deutlicher Trend: Es geht wieder hin zu Narrationen, Emotionen und poetischen Reflexionen. Rinko Kawauchi, Stephen Gill und Wiebke Loeper seien stellvertretend genannt. Blauig, leicht und möglichst authentisch, heißt die Devise. Trash ist out, kommt aber sicher wieder. Auch der Mondino-artige Glanz an der Oberfläche hat offenkundig ausgedient. Und Wolfgang Tillmans und Daniel Josefsohn arbeiten gerade für das Tempo- Revival. Wer weiß. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Mäßig. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Ein stimmiges Konzept, Freiheit in der ästhetischen Verortung, Radikalität und Beharrlichkeit bei der Projektrealisation, vor allem keine geschmäcklerischen Kompromisse. Und dass sie mich in den Bann schlägt. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Vor allem ihre innere Konsequenz in Sachen Form und Inhalt. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? s.o., vorausgesetzt: Das Handwerk muss stimmen. Welche der in der Jury diskutierten Themen war für Sie besonders relevant? Einzelbild versus Bildreihe. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Mäßig. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? Zuvorderst sehen, sortieren, rezensieren. Ab und an lehren, verlegen, hängen. Zuweilen auch sammeln. Fotografieren Sie selbst? Konsequent nein. Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? Die Ausstellung Neo Rauch: Neue Rollen, Kunstmuseum Wolfsburg Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Bildreich und immer wieder aufregend, vor allem mit Fotobüchern. Welches Buch lesen Sie gerade? „Motherless Brooklyn“ von Jonathan Lethem Welches ist Ihr Lieblingsfilm? „21 Gramm“ von Alejandro Gonzalez Inarritu Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? Wie gehabt: Robert Frank. Iris Maczollek Galeristin / Galerie Schmidt Maczollek Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Das Dokumentieren des Beiläufigen/Unauffälligen ist z.Zt. offensichtlich u.a. wieder Thema Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Ja. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Daß das Bild eigenständig funktioniert und z.B. auch das Medium Fotografie als solches reflektiert. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Wenn dem bereits Bekannten etwas neues hinzugefügt wird und sich dann das Gesamtbild als innovativ herausstellt. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Ist es zunächst einmal im technischen Sinn ein gutes Foto? Gibt es das schon? Wenn ja: Findet eine Abgrenzung zu bereits Bekanntem statt? Welche der in der Jury diskutierten Themen war für Sie besonders relevant? Die Fragestellung, ob die Bearbeitung des Themas "All Inclusive" nun für die Beurteilung relevant ist oder eher nicht; die Frage; ob Serien auseinandergerissen werden können oder die gesamte Serie beurteilt werden sollte. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Sehr gemischt, aber grundsätzlich nicht schlecht. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? Wir vermittlen in der Galerie neben Malerei, Zeichnung und Objekten von Künstlern auch Fotografen, deren Arbeiten wir anbieten und verkaufen oder für die wir zukünftige Ausstellungen in Institutionen anregen. Beispiel: Claudio Moser oder Christoph Dettmeier, der 2007 in einer Gruppenausstellung im Kunstverein St. Gallen und in der Villa Merkel, Esslingen mit Fotocollagen zum Thema "Cowboymythos" vertreten sein wird. Fotografieren Sie selbst? Nein Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? Die Ausstellung "Martin Kippenberger" in Düsseldorf; die Ausstellung "Los Angeles. 1955-1985" im Centre Pompidou, Paris; die Ausstellung "JONATHAN MONK yesterday today tomorrow etc." im Kunstverein Hannover Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Vermittlung von zeitgenössischer Kunst, die wir vertreten, gegenüber der Presse, Kuratoren, Sammlern und Besuchern. Atelier- und Ausstellungsbesuche. Viel telefonieren und mails schreiben...! Welches Buch lesen Sie gerade? "Mein Leben, meine Freiheit. Die Autobiographie" von Ayaan Hirsi Ali Welches ist Ihr Lieblingsfilm? The Party mit Peter Sellers von 1967 Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? William Eggleston Dr. Sigrid Schneider Kuratorin, Leiterin des Fotoarchivs / Ruhrlandmuseum Essen Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Die Frage ist m.E. angesichts der Ausdifferenzierung des Mediums zu global formuliert. In meinem Arbeitsbereich sehe ich eine Zunahme fiktionaler Arrangements, zugleich eine Hinwendung zu klassisch-dokumentarisch wirkender Schwarzweiß-Fotografie. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Nur bedingt, da der Teilnehmerkreis per se lediglich einen Teil des Spektrums fotografischer Herangehensweisen repräsentierte. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Dass sie ohne Rücksicht auf kommerzielle Verwertbarkeit Konzepte oder Ideen in individuelle Bildsprache übersetzt und damit autonome Bilder schafft. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Ein selbstständiges Konzept, ein „anderer“ Blick in Verbindung mit eine eigenen Handschrift, gründliche Auseinandersetzung mit einem Thema oder Genre in einem länger dauernden Prozess. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Überzeugungskraft der Bildaussage, Originalität, adäquater Einsatz des fotografischen Handwerks, ästhetische (- und wenn man ehrlich ist, auch immer: Geschmacks-)Maßstäbe. Welches der in der Jury diskutierten Themen war für Sie besonders relevant? Wie lassen sich Urteile objektivieren; welche Begriffe von „freier Arbeit“ spiegeln die eingereichten Arbeiten. Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? Ich recherchiere und sichte Bilder im Hinblick auf Präsentationen in diversen Projekten, Ausstellungen und Publikationen. Fotografieren Sie selbst? Ich knipse. Welches Kunstereignis hat Ihnen 2006 besonders gut gefallen? Die Ausstellung mit Werken von Martin Kippenberger im K21 in Düsseldorf, Werke von Roni Horn im Gropius-Bau. Welches Buch lesen Sie gerade? Nagib Machfus, Die Midaq Gasse Welches ist Ihr Lieblingsfilm? Robert Altman, Short Cuts. René Wynands Geschäftsführer, Grafikdesigner / Designbüro Oktober Kommunikationsdesign Gibt es zur Zeit deutliche Trends in der Fotografie? Wie auch im Grafikdesign scheint es einen Trend zu Sachlichkeit und Minimalismus zu geben. Viel leere, monochrome Fläche, klare, einfache Bildkomposition und undramatische Bildmotive. Fanden Sie diese Trends im Wettbewerb "Trend Award 2007" wieder? Ja, es gab viele Landschaftsaufnahmen in diesem Stil. Was erwarten Sie von einer freien Arbeit (im Vergleich zu einer Auftragsarbeit)? Ein experimentelles Ausloten der Möglichkeiten. Dabei ist es wichtig, dass überraschende und ungewöhnliche Bildideen oder -Konzepte umgesetzt werden. Für viele Arbeiten gibt es prominente Vorbilder. Was macht eine Arbeit eigenständig? Die Subjektivität des Fotografen. Ein gutes Foto sollte seine individuelle Sicht widerspiegeln, nicht die kanonisierte Sichtweise, wie bestimmte Motive auszusehen haben. Welche Kriterien legen Sie bei der Bewertung von fotografischen Arbeiten an? Die grundlegende Voraussetzung für Qualität ist zunächst, dass ein Bild interessant ist. Obwohl es nicht leicht ist, über Kunst zu urteilen, so gibt es doch ein KO-Kriterium, das alle weiteren Bemühungen überflüssig macht: Langeweile. Darüber hinaus, muss ein Werk eigenständig und in gewissem grade innovativ sein. Ich messe ein fotografisches Bild auch an seiner Kommunikationsaufgabe: Vermittelt es seine Botschaft, sein Konzept - oder auch seine Fragen - überzeugend? Nicht zuletzt ist auch eine ästhetische, formale Qualität wichtig. Welche der in der Jury diskutierten Themen war für Sie besonders relevant? Die Frage nach der Bedeutung von "Innovation" bei der Beurteilung von Kunst. Ist Innovation wirklich so grundlegend wichtig? In der asiatischen Kunst spielt dieser Aspekt keine so große Rolle. Dort wird einem Werk, das in vollendeter handwerklicher Perfektion gefertigt ist, ebenso viel Wertschätzung entgegen gebracht, wie bei uns einem innovativem, aber handwerklich naturgemäß unvollendetem Werk. Wie schätzen Sie das Gesamtniveau des Wettbewerbs ein? Mir schien das Potential des Wettbewerbs nicht ausgeschöpft worden zu sein. Statt freier Arbeiten waren mir zu viele zweitverwertete Auftragsarbeiten unter den Einreichungen (oder die freien Arbeiten sahen zu sehr danach aus). Wie sieht Ihr täglicher Umgang mit Fotografie aus? In der Regel stöbere ich in Bildarchiven nach interessanten, ungewöhnlichen Bilder, die mir helfen eine Kommunikationsaufgabe zu erfüllen. Die Frage ist immer: Funktioniert das Bild in seinem Kontext? Fotografieren Sie selbst? Ja. Allerdings konzentriere ich mich auf Fotos, die sich in meine grafische Arbeit einfügen lassen. Mir geht es dabei weitestgehend um formale Qualitäten. Welches Kunstereignis hat Sie 2006 begeistert? Die Ausstellung (Tat)Orte im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf. Wie sieht Ihr Alltag am Arbeitsplatz aus? Am Computer sitzen, E-Mails beantworten, telefonieren und mit meinen Kollegen Entwürfe abstimmen. Nach 20 Uhr habe ich dann Zeit für eigene Entwürfe oder Konzepte. Welches Buch lesen Sie gerade? Ich höre gerade "Effi Briest" von Fontane - beim Joggen! Welches ist Ihr Lieblingsfilm? „Hero“ von Zhang Yimou Welchen Fotografen bzw. Fotografin schätzen Sie am meisten? Das kann ich kaum beantworten. Als ich angefangen habe, mich für Fotografie zu interessieren, haben mich u. a. Henri Cartier-Bresson, Brassai, Jaques-Henri Lartigue und Walker Evans begeistert. Heute schätze ich die unvergleichliche Aura der Aufnahmen von Louis-Jaques-Mandé Daguerre.
|
|
Die prämierten Fotos
|
|