Der BFF-Jahrbuch-Award 2009



Die Jurierung
Zum runden Geburtstag ist das BFF-Jahrbuch praller denn je. Rund ein Viertel mehr an Bildseiten und teilnehmenden Fotografen haben es auf den Rekord-Umfang von 714 Seiten anwachsen lassen.

Als die Jury am 15. Dezember 2008 in Stuttgart im ‚Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg‘ihre Arbeit aufnahm, war die ganze stolze Ahnenreihe ausgelegt: rund ein Dutzend Meter Büchertische voller Publikationen – von der zwölfseitigen Mitgliederliste aus dem Jahre 1969 (nicht größer als ein gefalteter Brief) über Silberfibeln, Handbücher, „Intern“-Berichte, die „Spots“, Förderpreis-Kataloge und Juniorbücher bis zu den gewichtigen Jahrbüchern der letzten Zeit. Die Juroren durchstreiften diesen Blätterwald („Ich hab sie ab diesem hier!“) und widmeten sich dann dem Jahrgang 2009.

Aus über 500 Bildern wählten sie aus:
2 x Gold
7 x Silber
30 Merits.

Alles, wie immer, streng anonym – die Namen der Prämierten werden erst nach dem letzten Votum genannt. Dabei entpuppte sich eine faustdicke Überraschung: zu den raren Gold-Preisträgern gehört ein Klassiker, der in den letzten Jahren stets ausjuriert worden war: Peter Lindbergh.


Die Juroren

Annette Endrass
Head of Art Buying
JWT J. Walter Thompson Germany,
Frankfurt

Oliver Griep
Art Director
Feld Hommes Magazin, Hamburg

Susanne Kastner-Linke
Head of Art Buying
kempertrautmann, Hamburg

Uwe Marquardt
Executive Creative Director
Y & R Germany, Frankfurt

Götz Ulmer
GF Kreation stellv.
Jung von Matt / Alster Werbeagentur, Hamburg

Kerstin Weidemeyer
GF / Creative Director
Foessel Weidemeyer, München


Statements der Juroren

Annette Endrass
Head of Art Buying
J. Walter Thompson Germany, Frankfurt
Wenn man das Jahrbuch ansieht, könnte man meinen, dass viele BFF-Fotografen am eigenen Erfolg leiden. Es gibt viel Bebilderung von Auftrag, Auftrag, Auftrag. Das ist alles souverän gemacht, keine Frage. Aber diese Perfektion lässt mich förmlich nach Neuem lechzen. Ich weiß: dass dieses Neue so selten ist, hat nicht nur mit den Fotografen zu tun, sondern auch mit den Auftraggebern. Die bestellen meist soliden Durchschnitt. Doch wenn sehr viele Fotografen ihre abgesicherten, kundenkompatiblen Bilder ins Jahrbuch setzen, dann wird es eintönig. Transportation ist hierfür ein Beispiel, aber auch die Einreichungen im Bereich Food. Dieses Buch aber müsste Maßstäbe setzen! Die etablierten Fotografen sollten sich öfter mal ansehen, was die Junioren in ihrem Buch so treiben. Die brennen an allen Ecken gleichzeitig, und davon könnte der ganze BFF profitieren. Wenn man nur Bilder zeigt, die nicht stören, fehlt das Gewicht. Und Gewicht sollte schon haben, was in einen Klassiker kommt wie das BFF-Jahrbuch.

Oliver Griep
Art Director
Feld Hommes Magazin, Hamburg
Das Jahrbuch ist immer wieder eine Wucht, schon allein wegen der ungeheuren Bildmenge. Da muss man sich regelrecht durcharbeiten, aber wenn man genauer hinschaut, zeigen sich Bilder, die auffallen. Wobei man sagen muss, dass deswegen nur wenig herausragt, weil das Grundniveau schon sehr hoch ist. Handwerkliche und andere klassische Qualitäten taugen nicht als Unterschei?dungsmerkmal, weil sie auf alle Beiträge zutreffen. In diesem Punkt funktioniert eine Institution wie das BFF-Jahrbuch auch ganz anders als zum Beispiel unsere tägliche Bildersuche hier im Magazin. Da suchen wir oft bewusst junge unbekanntere Fotografen. Die haben meist weniger Druck vom Kunden, und können so mutiger sein, um sich einen Namen zu machen – den viele BFF-Fotografen längst haben. Diese Konstanz ist auch eine Qualität, und sie passt zum Buch als Medium. Für mich als Print-Versessener ist es gar keine Frage, dass ein solches Objekt mir eine andere Wahrnehmung ermöglicht als jeder Bildschirm. Im Netz verschaffe ich mir einen raschen Überblick – im Jahrbuch Ruhe, Kon-zentration und Klarheit. Deshalb behält es seinen Platz – in der Benutzung und im Regal, wo schon ein knapper Meter steht. Den möchte ich gerne noch um einiges verlängern.

Susanne Kastner-Linke
Head of Art Buying
kempertrautmann / Hamburg
Juroren sind auch nur Bildbetrachter. Und als solche, wie wahrscheinlich jedermann, chronisch interessiert am Neuen. Mit diesem Bedürfnis ist man im BFF-Jahrbuch oft an einer schwierigen Adresse, denn hier dominiert eine ziemlich klassische Auffassung von Fotografie, noch dazu von angewandter Fotografie. Deren Gesetze sind ja ohnehin keine große Hilfe bei der Entwicklung von Innovation, da bleibt man sicherheitshalber gerne beim Bewährten. Vielleicht erklärt das auch, warum so oft der Eindruck entsteht, dass ein einheitlicher Look vorherrscht, wie zum Beispiel in der Autofotografie. Da ist man für jede ungewöhnliche Perspektive um so dankbarer – siehe die ausgezeichneten Beiträge. Solche ungewöhnlichen Bilder sind wichtig, denn auch das BFF-Jahrbuch muss sich profilieren gegenüber digitalen und anderen Print-Bildkatalogen. Wenn es das weiterhin schafft, und sich noch etwas mehr vom Wagemut und der Frische des Junior-buches anstecken lässt, dann bleibt es auch in Zukunft ein unangefochtenes Standardwerk.

Uwe Marquardt
Executive Creative Director
Y & R Germany, Frankfurt
Mein erster Eindruck vom Jahrbuch 2009 ist der einer großen Vielfalt. Bei genauerem Hin-sehen differenziert sich das je nach Themen-gebiet. Ziemlich überzeugt bin ich von den Kategorien Landschaft und Journalismus: da geht der Blick über die Tellerränder der Genres. Es tun sich neue Horizonte auf, und ich habe den Eindruck, die Fotografen sind am Puls der Zeit. Das gilt leider nicht für alle Kategorien. In Sachen Transportation etwa gab es in den letzten Jahren einige Beiträge, die mir moderner vorkamen als das Gros der diesjährigen. Dennoch bleibt das Jahrbuch für mich eine feste Größe. Seit Beginn meines Berufslebens sammle ich alle Ausgaben, und sie stehen immer in der Nähe des Schreibtischs. Die sind für mich wie Jahresringe meiner Vita, und gleichzeitig ein praktisches Tool. Allerdings würde ich mir etwas mehr Mut der Einsender wünschen. Dass die BFF-Fotografen ihr Handwerk beherrschen, weiß man. Wie es aussieht, wenn sie darüber hinausgehen, das würde man gerne noch öfters zu Gesicht bekommen.

Götz Ulmer
GF Kreation stellv.
Jung von Matt / Alster Werbeagentur, Hamburg
Jahrbücher des BFF sind so etwas wie gute, alte Bekannte. Seit Jahren legen ich Wert auf Umgang mit ihnen, als Inspirationsquelle oder um zu sehen, was schon so alles gemacht wurde. Das betrifft vor allem die älteren Jahrbücher, die mir vorkommen wie Klassiker aus einer gut gepflegten Bibliothek – gehören beinahe schon ins historische Fach. Für die tägliche Agenturarbeit dagegen schaue ich lieber in die Juniorbücher. Manchmal benutze ich die Jahrbücher auch, um zu sehen, was gar nicht geht, da darf man nicht zimperlich sein. Auch der jetzige Jahrgang verdient ein nüchternes Urteil: da ist viel Material, sehr viel sogar, alles äußerst ordentlich, aber weniges davon spektakulär. Ein bisschen mag das auch am quadratischen Format liegen. Das kommt zwar sehr konsequent rüber, ist auch in der Reihung ein echtes Markenzeichen, aber manchen Bilder täte mehr Größe gut. Wie auch immer – die Jahrbücher aus meiner Sammlung gehen nur noch raus mit fetter Signatur auf dem Cover, sonst finden sie allzu leicht andere Liebhaber.

Kerstin Weidemeyer
GF / Creative Director
Foessel Weidemeyer, München
Vor der Jahrbuch-Jurierung hatte ich mir die letzten drei Jahrgänge noch einmal angeschaut. Was ich dort im Rückblick gesehen habe, erscheint mir aufregender als die aktuelle Auswahl. Im Jahr 2009 spüre ich weniger Entschlossenheit, über die Standards hinauszugehen.

Das Grundniveau im BFF ist zwar immer sehr hoch, aber ich vermisse die Freude am Experiment, an der Überraschung, an unverbrauchten Sichtweisen. Eine Spur davon zeichnet sich in den Beiträgen zum Nachwuchsförderpreis ab.

In diesem Zusammenhang stellt sich den alten Hasen, wie in allen kreativen Diszipli-nen, immer die gleiche Grundfrage: Wie kann meine Arbeit trotz aller kommerziellen Anfor-derungen und Erfahrungswerte zugleich erfrischend neu/innovativ und dauerhaft relevant bleiben? Um das zu beantworten, ist das Jahrbuch sehr hilfreich. Beim Durchblättern alter Exemplare sieht man klar, was seine Qualität behält. Kurz gesagt, würde ich den Jahrbuch-Beiträgen mehr Ehrgeiz wünschen, um wirklich Neues zu schaffen.
 
   
Die prämierten Fotos