Der BFF-Jahrbuch-Award 2008



Das BFF-Jahrbuch ist bei den BFF-Mitgliedern sehr gefragt: knapp 20% mehr Bildseiten als im vorigen Jahr – die Fotografen trauen dem guten alten Gutenberg-Medium offenbar einiges zu. Aber was sagt der Rest der Welt? Wie beurteilen Creative Directoren, Art Buyerinnen und Bildredakteure unsere neues Jahrbuch mit über 400 Bildern – vom Ehrenmitglied bis zum Junior?

Wie jedes Jahr baten wir eine unabhängige Jury, uns zu beurteilen. Sie setzt sich zusammen aus

Kirsten Dietz, CEO / Strichpunkt, Stuttgart;
Claudia De Feo, Head of Art Buying / BBDO Stuttgart;
Martin Kießling, GF Kreation / GBK, Heye Werbeagentur, München;
Martin Pross, Partner, CD / Scholz & Friends Group;
Peter Zizka, CEO / Heine/Lenz/Zizka, Frankfurt / Berlin.
Die Juroren sind frei, die undotierten Auszeichnungen in beliebiger Anzahl als „Merit“, „Silber“ und „Gold“ zu vergeben – oder nicht.

Hier die Statements der Juroren

Kirsten Dietz
CEO / Strichpunkt, Stuttgart
„Es zeigt sich, dass die rein fotografische Leistung gegenüber der Postproduktion immer mehr an Bedeutung verliert. Die Perfektion und Stimmigkeit der handwerklichen Ebene ist enorm; vielleicht ist sie schon dermaßen überwältigend, dass man ihrer allmählich müde wird. Ich könnte mir vorstellen, dass in Zukunft die klassische, unbearbeitete Fotografie wieder mehr geschätzt wird. Im Augenblick ist es noch nicht so weit, im Gegenteil. Die Inhalte der Bilder verlieren an Bedeutung, während ihre technische Vollkommenheit in den Vordergrund rückt. Das soll kein Jammern sein. Im Agenturalltag ist es völlig in Ordnung, eine Kosten-Nutzen- Rechnung aufzumachen, in der die Postproduktion ihre Rolle spielt. Aber gerade hier im Jahrbuch kann man, etwa bei dem Merit für Günther Philipp aus Ulm sehen, wie diese Facette der Fotografie aussieht, wenn sie gekonnt eingesetzt wird: Rechnerarbeit mit Seele.

Das Buch als Medium ist ein unverwüstliches Werkzeug, es funktioniert und wird nicht sterben. Auch die BFF-Bücher benutzen wir oft. Beim Blättern in alten Jahrgängen kann man erkennen, dass herausragende, einzelne Fotos Trends vorwegnehmen, die eine Weile später überall auftauchen. Allerdings finde ich es etwas verwirrend, dass die Beiträge der Ehrenmitglieder, die ja oft schon historischen Rang haben, unter die aktuellen Positionen gemischt werden. Eine Art ‚Hall of Fame‘ für diese Bilder würde das Buch klarer machen; denn wenn ich das BFF-Jahrbuch 2008 aufschlage, dann möchte ich vor allem sehen, was heute in der angewandten Fotografie State of the Art ist.“

Claudia de Feo
Head of Art Buying / BBDO Stuttgart
„In diesem Jahrbuch fehlt mir Mode- und Food-Fotografie, im Hinblick auf die Menge und im Hinblick auf die Qualität – ihr habt mutigere Bilder, also zeigt sie auch, liebe BFFler! Damit würde das Jahrbuch seinen Stellenwert noch steigern. Es ist für mich nach wie vor ein ganz wichtiges Arbeitsmittel. Die erste Auswahl mache ich zwar im Internet, aber sobald es um definitive Entscheidungen geht, um eindeutige Kommunikation mit Kunden, Fotografen und Kollegen, muss ein Bild auf Papier her. In diesem Zusammenhang hat sich das BFF-Jahrbuch für mich schon immer bewiesen – es ist eine der ganz wenigen Verbands-Publikationen, die den Sprung in die Allzeit-Bibliothek schaffen.“

Martin Kießling
Geschäftsführung Kreation / GBK, Heye Werbeagentur München
„Natürlich ist das Jahrbuch für die BFFFotografen in erster Linie ein Aquise- Instrument. Das führt dazu, dass viele eher auf vermeintliche Verkaufsträchtigkeit setzen, als auf Kreativität. Deshalb wird leider zu oft lieber gutes Handwerk präsentiert statt ungewöhnlicher Ideen – besonders auffällig wird das in der Rubrik der Transportation-Fotos. Mehr Mut täte hier gut. Bei der Auswahl von Fotografen suchen wir keine Erfüllungsgehilfen, sondern Partner, die ihre Ideen mit Begeisterung vertreten – nur das kann auch unseren Prozess der Bildfindung weiter voranbringen.
Obwohl das kreative Potenzial des BFF im Jahrbuch also nicht ganz ausgeschöpft wird, hat es seine Berechtigung. Scrollen am Bildschirm ist eine Ergänzung, aber ein gutes Buch auf dem Tisch, um den ein paar Leute herumstehen und die Bilder diskutieren – das hat eine eigene Qualität. Das BFF-Annual verleiht den Fotos auf angenehme Weise eineigenes Gewicht, im übertragenen Sinne undwortwörtlich.“

Martin Pross Partner,
CD Scholz & Friends Group
„Das Niveau des Jahrbuchs ist durchgängig hoch; aber es reicht nur an wenigen Stellen zu mehr. Die dünne Luft des kreativen Hochflugs ist schwer zu erreichen. Jedes Jahr, in jedem Wettbewerb, in jedem Annual lechzen Jurys nach der Neuerfindung der Welt. Damit das klappt, müssen die Sterne schon besonders günstig stehen. Und sie tun das meiner Meinung nach an einigen Punkten im BFFJahrbuch. Die ‚Gold‘-Auszeichnungen sind Beispiele dafür; und sie spiegeln in ihrer Verschiedenheit auch die kontroversen Ansichten der Jury. Deren Leidenschaft in der Diskussion ist ein gutes Zeichen – was dabei rauskommt, hat Bestand. Ebenso wie das Buch selbst. So ein Kilo Papier zwingt einen, sich Zeit zu nehmen. Das ist eine Geiselhaft, der ich mich auch in der alltäglichen Arbeit immer wieder gerne ausliefere. Zwar gehöre ich in dieser Hinsicht zu den letzten Mohikanern – die Bibliothekschlüssel bei Scholz & Friends setzen schon Rost an – aber ich bin überzeugt: Im Gegensatz zur Bilderflut von der Stange, den all zu viele Bildagenturen anbieten, übersteht ein gut gemachtes Fotodruckwerk die Zeiten. So wie das BFF-Jahrbuch.“

Peter Zizka
CEO, Heine/Lenz/Zizka, Frankfurt/Berlin
„Beim Durchsehen des Jahrbuchs stellt sich mir vor allem eine Frage, die grundsätzlich mit der Fotografie verbunden ist: In welchem Verhältnis steht sie zur Realität? Ist ein fotografisches Bild der Wirklichkeit entnommen, ist es am Rechner konstruiert, oder eine Mischung dieser Strategien? Und direkt darauf folgend die nächste Frage: Wie verhalte ich mich als Betrachter dazu? Dieses theoretische Wirrwarr multipliziert sich mit der Zahl der Jurymitglieder – und entknotet sich verblüffend schnell in der Praxis. Es ist einem Foto anzusehen, ob sich der Urheber in der Vielzahl der Bearbeitungsoptionen verirrt hat, oder ob er sie fokussiert im Sinne der Bild- Botschaft einsetzt. Wenn das Letztere gelingt, dann entsteht so etwas wie rechnergenerierte Authentizität. Echtheit ist übrigens auch ein Schlüsselbegriff für ein Bilderbuch wie dieses. Je mehr die Welt sich dynamisiert, ins Fließen und ins Virtuelle gerät, desto höher der Stellenwert eines handfesten Objektes. So wie ein Foto den Fluss der Zeit anhält, so verdichtet ein Buch die Möglichkeiten, Bilder wahrzunehmen. Auch der Rückgriff auf alte Ausgaben des BFF-Jahrbuches bestätigt das: Hier ist ein Manifest der professionellen, angewandten Fotografie in Deutschland, dessen Komplexität jeder Erfahrung des Surfens im Netz überlegen ist. Dieser dicke Brocken erinnert mich an ein Stück Kohle: komprimierte Energie, in diesem Fall kreative Energie. Und bequemerweise jederzeit anzuzapfen, ohne dass ich weitere Technik, Apparate und Leitungen benötige – das Buchregal braucht keine Steckdose.“

 
   
Die prämierten Fotos