Der BFF-Jahrbuch-Award 2007



Am 1. Dezember 2006 hat eine Jury alle Bildseiten des vorliegenden Jahrbuches in Augenschein genommen, um für hervorragende Beiträge Prämierungen in den Kategorien ‚Merit‘, ‚Silber‘ und ‚Gold‘ zu vergeben. Diese Jurierung findet seit 1999 statt. Die Preise sind nicht dotiert; sie sollen dazu ermuntern, betont kreative statt nur verkauffördernde Bilder ins Jahrbuch zu setzen. Es steht der Jury frei, wie viele Bilder sie prämiert, und ob sie alle Preiskategorien ausschöpft – häufig wird gar kein ‚Gold‘ vergeben.

Man nehme 372 Fotos, aufgeteilt in acht Kategorien, und lasse sie von sechs unabhängigen Juroren einen Tag lang gründlich durchwalken – was kann dabei anderes herauskommen als ein ungenießbarer Bilderbrei? Zum Beispiel das: zwei einstimmige Voten für zwei Spitzenbilder – eine Klarheit, von der sogar die Jury selbst überrascht war. Allerdings kommt ein so präzises Resultat nicht von ungefähr. Veranstalter und Juroren lieferten ähnlich saubere Arbeit ab wie die Preisträger. Wichtigste Regel: die Autoren aller Bilder bleiben anonym bis nach der endgültigen Entscheidung für oder gegen einen Preis. So bleibt der Blick frei vom allzu großen Respekt vor Prominenten – gut erkennbar an den spitzen Schreckensrufen, wenn nach der Kür der Sieger alle Namen offengelegt werden: „Waaas, wir haben Elliott Erwitt rausgeworfen?!“ Vorher wird jedes Argument so lange diskutiert, wie die Juroren es diskutieren wollen. Und es gibt keinerlei Vorgaben für die Zahl oder Verteilung der Auszeichnungen.
 
So kommt schließlich eine Auswahl an herausragenden Bildern zustande, über die ein Juror in diesem Jahr sagte: „... irgendwie eine Art Elite.“


Die Statements der Juroren:

Joerg Bauer,
CD/GF joergbauerdesign, Stuttgart
„Ich suche bei Fotografen, wie bei allen Gestaltern, ein persönliches Anliegen. Was ist Deine Idee, was Deine Position? Das ist deswegen wichtig, weil auch Fotografen in einem Wettbewerb stehen, in dem sie sich durch Differenzierung abheben müssen. Wenn mir jemand durch seine Fotos zeigt, dass er ein Thema auf seine persönliche Weise interpretieren kann, dann fällt er mir auf. Absolut tödlich dagegen ist die Anpassung an einen dominierenden Stil. Heute ist zum Beispiel die digitale Postproduktion Stil bildend: überall derselbe dramatische Himmel, überall dieselben Farbräume. Ich kann nichts mehr unterscheiden, und so verschwimmen am Ende nicht nur die abgebildeten Inhalte, es verschwinden auch die abbildenden Fotografen.“

Melanie Baumstark,
Artbuying, Wunderman Werbeagentur, Frankfurt/M
„Ich finde es schön, wenn Bilder einfach und wahrhaftig sind. Dieser Jahrgang von BFF-Arbeitsproben zeigt, dass die extreme digitale Überarbeitung, die einige Jahre stark dominiert hat, allmählich zurückgeht. Und da, wo sie stattfindet, gibt es mehr Gespür für ihre Effekte – so dass sie im Idealfall den kreativen Prozess unterstützt. Man könnte sagen, dass sich so etwas abzeichnet wie die Rückkehr der Wirklichkeit in die Fotografie. Dazu passt meine Beobachtung, dass dieses Jahrbuch eine gleich bleibende Bedeutung für die tägliche Arbeit in der Agentur hat: ich genieße das haptische Erlebnis – während das Anschauen von Websites ohnehin unvermeidlich, und allzu oft anstrengend ist. Daher kann ich Fotografen, die sich persönlich vorstellen, nur empfehlen, das mit einer Mappe zu tun und nicht mit dem Laptop – auf Monitore gucken muss ich eh‘ den ganzen Tag.“

Bettina Blum,
Head of Artbuying, McCann Erickson, Werbeagentur, München
„Ich bin erstaunt, wie groß die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Kategorien in diesem Jahrgang sind. Die Bereiche Mode und Stillife waren für mich nicht überraschend genug, und für eine Einreichung zu kommerziell. Anders bei Transportation und Landschaft: da gab es unglaublich viele hochklassige Arbeiten, die die Auswahl sehr schwer machten. Allgemein lässt sich sagen, dass die digitale Bildbearbeitung mit ihrem allumfassenden Hochglanz auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung hat, soweit sie den Charakter eines Bildes nicht dominiert. In vielen Bildern habe ich jedoch etwas viel Wichtigeres vermisst: die Leidenschaft des Fotografen. Und genau die möchte ich sehen, wenn ich im BFF-Jahrbuch blättere – was ich sehr häufig tue. Dieses Buch ist für mich ein unverzichtbares Werkzeug in meinem Alltag als Artbuyerin.“

Armin Jochum,
CCO und Partner, BBDO Stuttgart

„Ich könnte mit fast allen Fotografen, deren Arbeiten ich heute gesehen habe, auf der Stelle professionell zusammenarbeiten; das Niveau ist durchgängig sehr hoch. Für die Auszeichnungen erwarte ich aber mehr. Wo ist unter all den Profis derjenige, der weiter geht, der eine Kategorie neu definiert, und der damit auch den BFF weiter profiliert? Meiner Ansicht nach gibt es solche Fotografen, wir haben sie ja auch ausgezeichnet. Leute, die entgegen der internationalen Stromlinie des Postproduction-Hype den Mut haben für ein persönliches Statement. Von dieser Sorte kreativer Respektlosigkeit kann es nie zuviel geben.“

Julien Vonier,
Fotograf, Vonier Fotografie Zürich
„Ich finde, dass gute Fotos etwas sehr Lebendiges, Organisches haben – ich kann sie geradezu riechen. Und es beruhigt mich als Fotografen sehr, dass die Jurorenkollegen aus den Agenturen offenbar auch nach solchen Bildern Ausschau halten. Die Postproduktion tut meistens leider das Gegenteil: sie stellt Fehlerlosigkeit her. Und damit produziert sie, als Kollateralschaden, die Leblosigkeit der Bilder. Das passiert erschreckend oft: ein Fotograf gibt seine kreative Kompetenz ab an die digitale Nachbearbeitung – und lässt sich dadurch als Autor wegradieren. Da gilt der gute alte Spruch: Allen recht getan ist niemandem gedient.“

Gudrun Muschalla,
CD, Heye & Partner Werbeagentur, München
„Ich registriere Bilder, wenn sie mich stoppen. Ich will den Haken, das Widerborstige, das Hängenbleiben. Dabei ist mir klar, wie selten Fotos aus Auftragsarbeiten dazu die Chance bekommen. In den Entscheidungsprozessen großer Werbekunden geht es viel zu sehr darum, Risiken zu vermeiden – da wird Auffälliges fast zwangsläufig aussortiert. Um so mehr freue ich mich über Bilder, die ein Thema lebendig und spielerisch angehen, im besten Fall humorvoll. Etwas leichter könnte für meinen Geschmack auch das BFF-Jahrbuch sein, im wörtlichen Sinne: es dürfte gerne etwas weniger aufwändig verarbeitet sein. Andererseits hat diese Massenträgheit den Effekt, dass der Brocken, wenn er einmal im Büro ist, auch dort präsent bleibt. Im Gegensatz zu den unzähligen Mails von Repräsentanten, die mit einem Klick auf Nimmerwiedersehen verschwinden.“

   
Die prämierten Fotos